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Von der Sicherheit

Key Points:

  • Terms ‘security’, ‘safety’ and ‘certainty’ can help to understand and explain better the challenges for current security policy.
  • In international relations more security for one actor leads to less safety for other actors. By the same process both will loose certainty.
  • Balanced security, safety and certainty policy is needed to overcome the deadlock.

In der Betrachtung von Sicherheitspolitik kommt dem Begriff der “Sicherheit” eine entscheidende Bedeutung zu. Bei einer inhaltlichen Bestimmung des Begriffes stoßen die Bemühungen jedoch schnell an ihre Grenzen. In der deutschsprachigen Fassung fehlt eine wichtige Differenzierung, die wir nur in der englischsprachigen Fassung kennen. Dort wird Sicherheit als ‘Security’ aber auch als ‘Safety’ erfasst . Die Unterscheidung zwischen beiden Begriffen ist aus zweierlei Gesichtspunkten interessant. Sie zeigt den Nutzen eines interdisziplinären Dialoges und sie führt zu einer differenzierten politikwissenschaftlichen Betrachtung von Sicherheitspolitik.

(1) Zunächst ist es ein überwiegend ingenieurwissenschaftlich geprägtes Begriffspaar, das mit ‘Security’ die Abwesenheit von äußeren Gefahren sowie Störungen für ein System benennt und mit ‘Safety’ die Abwesenheit von Gefahren sowie Störungen für die Nutzer eines Systems oder das System selbst bezeichnet. Es ist unter anderem der Verdienst von Zygmund Baumann, der dieses Begriffspaar nicht nur für eine soziologische und politikwissenschaftliche Betrachtung einsetzt, sondern darüber hinaus mit dem Begriff ‘Certainty’ ergänzt. Baumann verwendet die Begriffe für die Zustandsbeschreibung einer gegenüber der Politik kritischen Gesellschaft. Insbesondere in den europäischen Demokratien würden die Menschen zunehmend mehr der Politik die Fähigkeit zur Problemlösung absprechen und der Politik attestieren, nicht nur die innere und äußere Sicherheit der Gesellschaft zu riskieren, sondern eben auch die Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit sozialer Sicherungssysteme zu gefährden. Die Begriffe Safety und Security sind ein gutes Beispiel dafür, wie mittels eines interdisziplinären Dialogs ein besseres Konzeptverständnis erreicht werden kann und dieses Konzept dann für ein differenzierte Analyse einzusetzen. Der Begriff Certainty ergänzt die Begriffe um eine in die Zukunft gewandte Sicherheitskomponente, die an dieser Stelle mit dem Begriff der Zukunftssicherheit nur näherungsweise bestimmt wird.

(2) Es gibt eine weitere These, die sich mit dem Dreiklang dieser Begriffe formulieren und untersuchen lässt. Auf der internationalen Ebene kann beobachtet werden, dass die Nationalstaaten zunehmend mehr Sicherheitspolitik im Sinne von Security zur Abwehr äußerer Gefahren betreiben. Dies solle dem Schutze der Bevölkerung dienen, in dem Gefahren, die die öffentliche Ordnung bedrohen, abgewehrt werden. Die öffentliche Ordnung kann als Gewährleistung von Safety verstanden werden. Denn nur wenn die öffentliche Ordnung gewährleistet wird, funktionieren die komplexen Prozesse einer arbeitsteiligen sowie ausdifferenzierten Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Aufgrund der Effekte der Globalisierung wird aber die äußere Sicherheit zunehmend globalisiert und internationalisiert. Die Sicherheit der Nationalstaaten wird nicht mehr an deren Außengrenzen verteidigt, und mit dem Kampf gegen den Terror hat diese Entwicklung eine neue Dimension erreicht. Hierbei zeigt sich aber auch, dass die äußere Sicherheit mit einem tiefen Eingriff zumindest aber mit der substantielle Gefährdung der Safety von Bürgern anderer Staaten einhergeht. Fluchtbewegungen wie wachsender internationaler Terrorismus sind Erscheinungsformen dieses Prozesses ebenso wie fehlende Prozesse für die Gestaltung einer nachhaltigen Zivilgesellschaft. Dies führt wiederum zur Produktion weiterer Herausforderung für die Safety der nach Security strebenden Nationalstaaten. Aus diesem negativen Zirkel erwächst eine problematischer Nebeneffekt: die beteiligten Akteure verlieren zunehmend an Certainty.

Ein Ausweg aus dieser negativen Entwicklung kann dadurch erreicht werden, dass Security nicht zum Preis der Safety eigener und anderer Gesellschaften aufgebaut wird. Beispiele aus der Vergangenheit gibt es dazu viele (Ende der Weltkriege, Aufbau von Institutionen, Verständigung zwischen Kulturen etc.) und auch der theoretische Unterbaus existiert in der Wissenschaft von den Internationalen Beziehungen, um mit der oben dargelegten These arbeiten zu können.

Zitate zum Nach- und Weiterdenken:

“[A] man may… account himself in the estate of security, when he can foresee no violence to be done unto him, from which the doer may not be deterred by the power of that sovereign, to whom they have every one subjected themselves; and without that security there is no reason for a man to deprive himself of his own advantages, and make himself a prey to others.” (Hobbes, Thomas: ELEMENTS, supra note 10, at 111)

“We philosophers write endlessly about the meaning of liberty; but we have devoted very little attention to the ideal on the other side of the balance-homeland security, human security, people’s security-as a primary goal or function of the state. So long as our study remains unbalanced in that way, we can hardly reach an adequate view of the trade-off.”  Waldron, Jeffrey ,2006,461. In: Nebraska Law Review, Vol 85, Issue 2 Article 5, 454-507

“Sie berücksichtigt den Schutz gegenüber Angriffen (Security) und die Betriebssicherheit (Safety) einschließlich des Schutzes vor Naturgewalten und vor Notfällen, Krisen und Katastrophen (continuity)” Müller, Klaus-Rainer: Handbuch Unternehmenssicherheit 2. Aufl. 2010, S. 32.